Theresienstadt 2018 - die Religionsfahrt des SLZB

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Nachdem vor einigen Jahren unser letzter Versuch, in das Ghetto/Lager Theresienstadt zu fahren, von den Flutwellen der Elbe hinweggespült wurde, war es an der Zeit, mal wieder in diesen besonderen Ort kurz vor Prag zu fahren. Insgesamt 23 Schülerinnen und Schüler des SLZB (jahrgangsübergreifend von der 9. bis zur 13. Klassenstufe!) waren bereit im Rahmen des Religionsunterrichts diese Reise auf sich zu nehmen. Es ist nicht so ganz einfach, eine solche Reise anzutreten. Jeder weiß, dass in einer solchen Gedenkstätte Momente eintreten, die auch uns heute noch sehr zu Herzen gehen. Theresienstadt ist ein Städtchen nicht weit von Prag entfernt, in dem 1942/43 bis zu 55000 jüdische Menschen auf einmal versuchen mussten zu überleben. Die Familien wurden voneinander getrennt, fremde Menschen mussten sich kleinste Räume teilen, die hygienischen Bedingungen waren aus unserer heutigen Sicht unvorstellbar, schreckliche Ungewissheit, was geschehen wird, der ständige Hunger und später dann immer den Tod vor Augen…

Wir haben versucht uns mit Hilfe der Freiwilligen der Aktion Sühnezeichen (Nele und Kim) die äußeren und inneren Gegebenheiten vor Augen zu führen. So statteten wir dem Ghetto-Museum zwei Besuche ab, sahen uns das berühmt-berüchtigte Zuchthaus „Kleine Festung“ an und waren erschüttert von der Größe des jüdischen Friedhofs außerhalb der Mauern der Zitadelle.

Unzweifelhaft ein Höhepunkt unseres Aufenthalts war das Zeitzeugengespräch mit Frau Doris Grozdanovicova in Prag. Sie ist 92 Jahre alt, charmant und liebenswert, eine wunderbare Erzählerin, die neben den wirklich grausamen Details ihres Überlebens im Ghetto Theresienstadt immer wieder auch den jungen Mitgliedern der Gruppe Mut machte, das Leben als eine unbegreifliche Chance zu sehen und es dementsprechend zu gestalten. Bei alledem blitzte immer wieder auch ihr wunderbarer Humor hindurch, mit dem sie uns zu verstehen gab, dass sie zwar den Tätern niemals verzeihen könne, aber sich unendlich darüber freue, mit jungen Deutschen, die keinerlei Schuld auf sich geladen haben, ins Gespräch zu kommen. Und wir waren sehr erfreut und dankbar, sie kennenlernen und in unsere Herzen schließen zu dürfen.

Anschließend sahen wir uns noch den berühmten alten jüdischen Friedhof und zwei Synagogen in Prag an. Bei 30 °C war es dann auch an der Zeit, dass jeder seine eigenen Wege im wunderschönen Prag einschlug.

Ein letztes beeindruckendes Erlebnis war dann sicherlich am Freitag unsere Exkursion nach Lidice, jenem Dorf, dass die Nazis als Vergeltung für das Attentat auf Heydrich dem Erdboden gleichmachten. Die vielen getöteten Männer, die in das KZ Ravensbrück verschleppten Frauen und Kinder und das teilweise unbekannte Schicksal der zwangsarisierten Kleinstkinder aus Lidice stimmten uns dann noch einmal sehr nachdenklich.

Am Ende haben wir aus Schreibblättern, die mit unseren Gedanken, Träumen und Wünschen beschrieben waren, Papierschiffe gebastelt und diese Schiffchen dann an einer besonderen Stelle an der Eger in Theresienstadt treiben lassen. Nun gut, wir Stadtkinder haben die Strömung und vor allem den Wind ein wenig falsch berechnet, sodass unsere Schiffchen zunächst einmal nicht allzu weit fuhren, aber wer weiß, vielleicht findet das eine oder andere Boot doch noch seinen Weg in die weite Welt. Wir alle würden uns darüber freuen.

Thomas Rau